Unsere Kirchgemeinde

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Andacht

Liebe Geschwister,

Ihr werdet vielleicht mit der Bemerkung antworten: “Das ist ja ein alter Hut“, wenn ich meine Andacht mit dem Satz beginne: “Keiner von uns Menschen gleicht dem Anderen ganz genau!” .
Es gibt Schnelle und Langsame, Starke und Schwache, Logiker und Künstler, wachsame Genaue und Leichtfertige, Denker und Träumer, Planvolle und Spontane… ; aber bei allen Verschiedenheiten betrifft die meisten von uns heute etwas in sehr ähnlicher Weise: es ist das oft enorme und anscheinend immer schneller werdende Lebenstempo im Alltag. Und nicht selten klagen viele, so verschieden der Lebenshorizont auch ist, über den Stress, der sie “überfällt” und bedrängt.
Die vielen Informationen, drängenden Herausforderungen und Aufgaben, die tiefgründigen und komplexen Lebenssituationen verlangen eine prompte Antwort und schnelle Reaktion, um echte, hilfreiche und womöglich auch noch nachhaltige Lösungen zu finden und zu schaffen.

Fatal scheint sich die Redewendung Michail Gorbatschows zu verwirklichen: “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!” (fast nach 30 Jahren noch sehr bekannt). Manche sind davon so sehr belastet oder überfordert, dass sie ganz lethargisch werden und sich gar nichts mehr zu tun zutrauen.
Die Gründe dafür mögen ganz verschieden benannt werden, aber um wieder Mut und Lebenswillen zu schöpfen, braucht es Hilfe und einfühlsame, kreative Strategien.

Das ist der Grund, warum in diesem Jahr das Kuratorium der EKD zusammen mit den Verlagen “chrismon” und “Andere Zeiten” für die Passions- und Fastenzeit zur Aktion “7 Wochen ohne” aufgerufen und eingeladen haben unter dem Motto:

“Augenblick mal! -Sieben Wochen ohne Sofort”.

(Abonnenten wissen das natürlich schon. Ich aber halte das für geboten wichtig -christlich -menschlich)
Digitalisierung, Mobilität, grenzüberschreitende Informationsfülle, Globalisierung treiben uns tagtäglich voran. Wer weiß da noch genau, was wichtig und richtig ist zum leben? Natürlich könnte man es sich einfach machen, wie es z. T. auch in der Politik oder anderen privaten und öffentlichen Lebensbereichen üblich geworden zu sein scheint. Man vereinfacht einfach Sachverhalte nach eigenem Willen und folgt simplen Parolen und Schlagworten. Doch das führt in den meisten Fällen zu Verletzungen und Zerstörungen und spricht eher weniger von Leben und Er -Lösung. Vielmehr bräuchte es eine Entschleunigung und Ermutigung, um neue Energien oder altbekannte verschüttete Kräfte zu schöpfen.
Statt das Gefühl zu haben, sobald mein Smartfon eine Nachricht anzeigt oder mich ruft, sofort egal wo und wann antworten und reagieren zu müssen, bevor ich überhaupt richtig Zeit hatte, mir über meine Reaktion gute und richtige Gedanken zu machen, werde ich nun ermutigt, erst mal inne zu halten und zu Sinnen zu kommen. Dann ist meine Antwort oft besser und richtiger als einfach nur “getwittert” z.B. . Andere und ich haben auch mehr davon, bin ich mir ganz sicher. Wie schon der altbekannte Satz es aussagt: “Gott schuf die Zeit und der Teufel dann die Eile, zu der er den Menschen trieb.”

Um wieder zu Sinnen zu kommen und der Zeit und meinem eigenen Alltag wieder Leben einzuhauchen, gibt es viele Chancen und Möglichkeiten: Suche mal wieder das offene persönliche und direkte Gespräch mit jemandem! -Mach mal eine Pause, wenn Du grad so beim “Ackern” bist! – Singe oder summe einfach erst mal ein kleines Lied! – Nimm für ein paar Momente Abstand und schreib erst mal eine kleinen Text auf ein Stück Papier oder ins Tagebuch oder male ein kleines Bild oder eine kleine Skizze! Je nach dem. Vieles wird so vielleicht klarer und durchschaubarer und erfüllt sich dadurch mehr mit Leben. Denn so der Prediger 3,1ff im Alten Testament: “Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: …” Noch mehr Anregungen für Eure Entlastungen und Luftholmomente findet Ihr auch unter: www.7-wochen-ohne.de .
Denn gerade die Heilstat Jesu am Kreuz und in der Auferstehung soll für jeden Menschen die Chance der Verheißung wahr werden lassen: “… denn Gott hat uns gegeben den Geist der Besonnenheit und der Wahrheit…”, “ … und die Wahrheit soll Euch frei machen …”.

Ihr Pfarrer Johannes Käßler