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Hofkonzert Tobias Richter

Chorprojekt "Luther" Pop-Oratorium

Andacht

“Ankunft”

Angekommen -auf dem Bahnhof steht etwas abseits neben einer Bank auf dem Bahnsteigein Mann. Bei sich hat er nicht viel. Nur ein kleiner Koffer steht neben ihm und auf dem Rücken trägt er einen etwas in die Jahre gekommenen Rucksack. Eine Zeitung hat er zusammengefaltet unter den Arm geklemmt. Der Bahnsteig ist fast leer. Kein Wunder zu dieser abendlichen, fast nächtlichen Stunde. Auf der Bahnsteiganzeigetafel ist der Intercityexpress angeschlagen und etwas von einer eventuellen Verspätung.

Der Mann wartet ruhig und geduldig. Er scheint hier fremd zu sein. Seine Augen blicken freundlich, etwas müde und mit einem Funken Sehnsucht mal auf die Gleise in Richtung Bahnhofseinfahrt, dann wieder rings auf den Bahnsteig und auf die Anzeigetafel und dann auch in Richtung Durchgang zur Bahnhofshalle. Die Beleuchtung ist schwach, leichtdämmerig. Nach einiger Zeit kommt noch eine Frau mit zwei schweren Koffern auf den Bahnsteig. Und so nach und nach noch einige andere, vermutlich auch Reisende. Alle warten sie genervt geduldig. Blicken ab und an auf die Uhr und ziehen grübelnd die Augenbrauen hoch. Die Zeit scheint still zu stehen. Und der Zug lässt auch auf sich warten.

Weil alles so stumm ist und fremd, tritt langsam und vorsichtig die Frau mit den schweren Koffern auf den ersten Mann zu und fragt: “Sie warten wohl auch schon lange?” -“Ja!” – “Sie sind wohl nicht von hier?” – “Nein!” – “Sie hätten sich ja bis zur Ankunft in den freundlicheren Wartesaal in die Wärme setzen können.” -… Schweigen… Nach einer Pause sie: “Der Zug scheint heute gar nicht zu kommen.” Er: “Das macht nichts.” Sie: “Wieso … wo wollen Sie denn hin?” Er: “Nirgendwohin! …. Ich bin doch schon da.” Sie blickt ihn fragend an: “Was machen Sie dann hier?” Er erwidert freundlich: “Ich warte darauf, dass mich jemand wahrnimmt, wahrnimmt, dass ich angekommen bin -so
wie Sie.” Ihr Blick wandelt sich von genervt und freundlich hin zu erstaunt. Sie begreift in ihrer sehnsüchtigen Gehetztheit, ja – Er ist angekommen! Und endlich versteht sie seinen sehnsüchtigen und geduldigen Blick, der ihr so intensiv aufgefallen war, dass sieihn einfach ansprechen musste. Jetzt lächeln beide und fallen in mitten der Wartenden auf.

Etwas verändert sich. Beide nehmen sie ihr Gepäck und gehen nach Hause. Er ist nichtmehr fremd. Und beide sind sie angekommen. Das wissen sie genau. Sie verstehen, dass Ankunft = Advent viele verschiedene Gesichter haben kann. Manchmal müssen wir nur die Blickrichtung, die Perspektive wechseln, um zu begreifen, was wir als Antwort auf unser sehnsüchtiges Warten erhalten.

“Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf, wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glaubten, die …von Gott geboren sind.” (Johannes 1, 11 -13).

Mit dieser adventlichen Geschichte in der von Flucht und Krieg gezeichneten Zeit möchte ich Sie gern zur Besinnung und zur Hoffnung einladen. Ich wünsche uns, Ihnen und allen Menschen damit eine gesegnete Adventszeit, eine Zeit des Ankommens.

Ihr Pfarrer Johannes Käßler