Unsere Kirchgemeinde

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Andacht

Liebe Geschwister,
seit einigen Monaten kann ich das Gefühl nicht ganz los werden, dass sich unsere Welt und das Leben stark im Wandel befinden. Überall, so scheint es, bewegt es sich. Veränderungen stellen sich ein und wollen gestaltet oder bewältigt werden. Für manchen Menschen bedeutet das Umbruchszeit, für andere aber auch eine Chance als Aufbruchszeit. Auf alle Fälle kann niemand so tun, als sei er dabei nicht beteiligt oder unbetroffen, denn alle Lebensbereiche gehören dazu und die Welt wird scheinbar kleiner, weil die Globalisierung die Entfernungen zwischen Orten dieser Erde kürzer macht. Lebenswelten begegnen sich, die sehr unterschiedlich sind. “Du kommst daran nicht vorbei!”
Auch das Wetter in diesem Sommer erinnerte oft genug an April mit seiner Launigkeit. Doch ganz neu ist dieses Gefühl, glaube ich, nicht. Auch Paulus erlebt im Römischen Weltreich im 1. Jahrhundert eine Welt, die im Wandel und in Bewegung ist. Ja, er selbst mit der ziemlich neuen Glaubensbewegung der Anhänger des Jesus von Nazareth gehört dazu. Da ist drum herum wie auch in der christlichen Gemeinde selbst einiges in Bewegung. Die Frage: “Wohin geht es und was ist dran?”, ist daher nur verständlich, in der Weltstadt Korinth genauso wie an anderen Orten, damals genauso wie heute.

Ich meine, letztlich geht es oft um meine Unsicherheit, welches mein richtiger, mir entsprechender Platz ist und welche meiner Entscheidungsmöglichkeiten richtig und stimmig sind. Das Leben geht weiter und ich möchte nicht im Wege stehen. Im Gegenteil, ich möchte etwas produktives dafür mittun. Was ist dran? Was soll ich machen? Welches ist gerade jetzt die richtige Entscheidung?
Leider ist es oft so, dass es mehr Fragen gibt als schnelle und konkrete Antworten. Doch zunächst hält Paulus genauso wie Jesus daran fest: der Mensch ist auch im Wandel immer und ewig das Kind Gottes. Er ist immer in Verbindung zum Ursprung und Ziel des Lebens und der Welt. Er kann diese Beziehung pflegen oder auch in Frage stellen. Das ist seine Entscheidung. Entscheidend ist, ob danach Raum ist, dass es weitergeht (nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Menschen, denen ich begegne). Ob es Hoffnung und Zukunft gibt. So schreibt Paulus nach langem Streit und vielen Verletzungen den Geschwistern im damaligen Korinth ein Grundprinzip als Entscheidungskriterium für das eigene Handeln als Empfehlung auf: “Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.” (1.Korinther 3,17). Das ist der Monatsspruch für Oktober 2016. Damit ist die Perspektive in der Veränderung schon klarer.

Wenn am Ende meiner Planungen für alle Betroffenen Spiel-und Entscheidungsräume frei und offen bleiben, d.h. jede/r eine Chance hat, weiter ein Mensch und “Kind” (Geschöpf) Gottes zu sein und Gott in der Beziehung zu ihr/ihm wirken kann, dann ist der Weg und der Lebensort gut und gesegnet als Freiheit. So werden auch die Schritte der Veränderung leichter und hoffnungsvoller. Das wünsche ich uns allen.

Ihr Pfarrer Johannes Käßler