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Andacht

Hoffnungen -Wünsche -und Sehnsucht

gerade die Advents- und Weihnachtszeit ist besonders geprägt davon. Da muss man nicht unbedingt ein Kind sein, um das mitempfinden zu können. Gut ist es, dass es diese Zeit gibt. Darin spiegelt sich das Ja des Menschen zum Leben. Wer Wünsche, Träume und Hoffnungen wagt, zeigt damit deutlich, dass die Gegenwart schon auf dem Weg und in Verbindung zu einer Zukunft steht. Es wird ein Danach nach dem Jetzt und Heute geben. Dort werde ich mit allem, was ich bin und was mich prägt, einen Platz haben und vorhanden sein. Und zugleich drücke ich damit aus, dass ich einen Raum erwarte, in dem ich lebe und etwas gestalte. Das ist ermutigend, besonders dann, wenn Enttäuschungen oder Noterfahrungen die Quelle meiner Wünsche, Träume und Hoffnungen sind oder wenn die Sehnsuchtserwartungen schon fast schmerzlichen Druck verursachen. Diese Tage und Wochen erlauben es mir fast ausdrücklich oder fordern beinahe dazu auf, Wünsche, Hoffnungen und Sehnsüchte zu haben und auszusprechen. Eltern, Großeltern und manchmal auch Verwandte und Paten besänftigen manchmal in diesem Sinne Kinder mit den Worten: “Warte mal bis Weihnachten …!” oder “Na, dein Geburtstag kommt ja auch bald!” Daran sehe ich, dass einerseits Sehnsucht und Wünsche allgemein normal und akzeptiert sind, andererseits uns als Menschen grundlegend und in unserem Wesen ganz persönlich prägen und gestalten. Wir sind als Menschen nie fertig und am Ende, sondern immer noch auf dem Weg. Ich wage mal die Aussage, dass wir als Christen in besonderer Weise Sehnsuchts- und Zukunftsmenschen sind, die in unserer heutigen Zeit -gerade mit unserer Hoffnung und Sehnsucht für diese Welt wichtig und notwendig sind. Knüpfen wir beispielsweise an Martin Luther Kings: “I have a dream, …” an. Das meine ich nicht nur amerikanisch und im Hinblick auf die derzeitigen Ängste, Erfahrungen und Befürchtungen, die jetzt gerade nicht nur Menschen in Amerika bewegen. Ich meine es auch im Sinne des Liedes: “Halte deine Träume fest, lerne sie zu leben …”.

Vielleicht ist gerade darum auch die Weihnachts- und Christgeburtsgeschichte quasi eine “Unterwegsgeschichte” mit vielen, die immer auf dem Weg sind: Maria und Josef, die Hirten, die Weisen aus dem Morgenland, die Engel … Aber zu allen Wegen und dem Unterwegssein gehören auch Pausen und Stationen, um sich auszuruhen, sich zu besinnen, sich zu orientieren, um neue Kraft zu schöpfen, … Darum ist diese Zeit, glaube ich, gerade so wichtig. So kann ich auch wieder bewusst wahrnehmen: “Wenn wir uns im Advent Zeit nehmen, uns still vor eine Kerze zu setzen, kommen wir in Berührung mit unseren Sehnsüchten. Und wir können erahnen, dass wir uns diese auch durch noch so viel Adventsschmuck nicht erfüllen können.” (Anselm Grün). Denn es geht bei uns niemals um menschlichen Perfektionismus, sondern wir halten an der Hoffnung fest und halten diese wach, dass Gott uns zum Leben retten will, welches Zukunft hat und nur ER vollkommen macht.

“Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den
Morgen.” Psalm 130,6 (Monatslosung für den Dezember 2016)

Ich wünsche Ihnen und uns allen eine hoffnungs- und sehnsuchtsreiche Advents- und
Weihnachtszeit.

Ihr Pfarrer Johannes Käßler